Arbeitszeit, Belastung und Gesundheit von Gymnasiallehrkräften

Deutscher Philologenverband führt umfassende Studie durch

Liebe Mitglieder,

ich hoffe, Sie hatten erholsame Sommerferien und sind voller Elan ins neue Schuljahr gestartet. Nun sind bestimmt nicht wenige von Ihnen nach den ersten anstrengenden Wochen schon wieder urlaubsreif.

Gerade erfahrene Gymnasiallehrkräfte, die schon lange im Beruf stehen, berichten uns immer häufiger davon, dass die Arbeitsbelastung in den letzten Jahren  deutlich zugenommen hat. Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, haben in den letzten Jahren, immer wieder in Schreiben an unseren Vorstand und in Anträgen an unsere Jahreskongresse, die Forderung nach einem Nachweis der gefühlten  Mehrbelastungen gestellt. Gerade in den letzten Jahren ist eine Vielzahl zusätzlicher Aufgaben auf die Lehrerinnen und Lehrer an unseren Gymnasien zu gekommen. Ein höherer Verwaltungsaufwand, interne und externe Vergleichsarbeiten, Konferenzen zu schulinternen Lehrplänen, Besprechungen zu Schulentwicklungskonzepten, Absprachen zu Förderplänen und nicht zuletzt große Klassen mit zunehmend schwierigeren Schülerinnen und Schülern führen zu erheblicher Mehrbelastung. Der Philologenverband Schleswig-Holstein hat diese ihre Forderung nach einer Arbeitszeituntersuchung in den Gremien des Deutschen Philologenverbandes vorgetragen und konnte registrieren, dass andere Landesverbände gleiche Forderungen formulierten.

Der Bundesvorstand des DPhV hat sich deshalb dazu entschlossen, nicht weiter auf die Politik zu warten, sondern das Mammutprojekt einer bundesweiten Arbeitszeit- und Arbeitsbelastungsstudie selbst in Angriff zu nehmen. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Rostock und der TU Dresden sowie mit Unterstützung der DAK wird diese nun Anfang 2018 in allen Bundesländern durchgeführt.

Die ab Mitte Januar 2018 in Schleswig-Holstein stattfindende Untersuchung soll einerseits die Arbeitszeit der Gymnasiallehrkräfte erfassen, andererseits auch deren wahrgenommene Belastung aufzeigen.

Die Ergebnisse werden für jedes Bundesland auch explizit ausgewiesen, so dass wir spezifische Werte für Schleswig-Holstein erhalten.

Die Studie basiert auf einem Fragebogen zum allgemeinen Befinden und einem Arbeitszeitprotokoll in elektronischer Form. Diese auszufüllen macht etwas Arbeit, kostet etwas Zeit. Aber, diese Arbeit lohnt sich, diese Zeit sollten Sie sich nehmen, da der PhV SH  dann in seiner Argumentation gegenüber der Landesregierung wissenschaftlich erhobenes Zahlenmaterial in der Hand hätte. Zahlenmaterial mit dem wir für die Umsetzung Ihrer Interessen argumentieren können. Ziel ist es, eine verlässliche Datengrundlage zu bekommen, um auf Grundlage der Ergebnisse klare Forderungen an die Politik bezüglich der Belastungssituation für Lehrkräfte an Gymnasien stellen zu können.

Wir führen diese Untersuchung vom 15. Januar  bis zum 11. Februar 2018 durch. Beteiligen Sie sich!

Helfen Sie mit, dass die Studie repräsentative Ergebnisse erbringt, beteiligen Sie sich, es geht um Ihre Arbeitsbelastung, es geht um Ihre Gesundheit!

Fordern Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen auf mitzumachen. Es liegt in unserer Hand, ein klares Bild von der Arbeitszeit und der Belastung eines schleswig-holsteinischen Gymnasiallehrers zu erhalten.

 

Ihr Vorstand des Philologenverbandes Schleswig-Holstein

Gymnasien – nicht ohne uns!

Unser Verband vereinigt Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer, die an den Gymnasien unseres Landes sowie an Gemeinschaftsschulen und Berufsbildenden Gymnasien unterrichten. Dabei ist es unser gemeinsames Interesse, die Schulart Gymnasium in ihrer Eigenständigkeit für Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse bis zum Abitur und in ihrem unverwechselbaren bildungspolitischen Profil in einer pluralen Schulstruktur zu erhalten, zu pflegen und weiterzuentwickeln. In diesem Zusammenhang ist die Wiedereinführung einer eigenständigen gymnasialen Lehrerbildung für uns von zentraler Bedeutung.

Wir stehen zum traditionellen Auftrag des Gymnasiums, eine umfassende qualifizierte Allgemeinbildung zu vermitteln. Es ist das Ziel des allgemeinbildenden Gymnasiums, die Grundlagen zur Bewältigung eines wissenschaftlichen Studiums oder aber für eine äquivalente Berufsausbildung zu legen.

Wir verstehen Bildung nicht in erster Linie unter dem Aspekt der Verwertbarkeit sondern als Wert an sich, der untrennbar mit der Erziehung und der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen verbunden ist. Die Stärkung des Prinzips des Fachunterrichts innerhalb des bewährten gymnasialen und auf die Universität orientierten Fachkanons ist uns wichtig.

Neben seinem bildungspolitischen Anliegen kämpft der Philologenverband Schleswig-Holstein mit demselben Nachdruck für bessere Arbeitsbedingungen der Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer. Im Zusammenspiel mit unseren Dachorganisationen, dem Beamtenbund und dem Deutschen Philologenverband, fordern wir nachdrücklich, die Arbeitszeit der Lehrkräfte wieder auf ein gesundes Maß zurückzuführen. Zunehmende Aufgaben und Belastungen einerseits bei gleichzeitigen materiellen Kürzungen andererseits führen mehr und mehr zur Beeinträchtigung der Lehrergesundheit. Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrern muss aber die Freude am Beruf bewahrt werden, damit die Nachhaltigkeit des schulischen Lernens bewahrt bleibt.

Uneingeschränkt stehen wir zum Beamtenstatus für Lehrerinnen und Lehrer, weil nur dieser die Verlässlichkeit des Bildungsanspruchs der Schülerinnen und Schüler sichert.

Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserer Arbeit. Noch mehr freuen wir uns über neue Mitglieder, die uns tatkräftig unterstützen – zum Wohle der Lehrerinnen und Lehrer sowie unserer Schülerinnen und Schüler an den Gymnasien Schleswig-Holsteins.

Ihr Helmut Siegmon
1. Vorsitzender