Der Landesvorstand lädt ein zum Jahreskongress des Verbandes ab 9 Uhr im ConventGarten in Rendsburg. Alle Delegierten sind herzlich eingeladen. Am Nachmittag erwarten wir Vertreter der Landtagsfraktionen zur Podiumsdiskussion.

 

Jahreskongress, 2. März 2022, Rendsburg – Rede der Vorsitzenden Dr. Barbara Langlet-Ruck

Ich zitiere:
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!
Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn
Deutet auf Unempfindlichkeit hin.

Der Lachende
Hat die furchtbare Nachricht
Nur noch nicht empfangen.

Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!

[…]

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

angesichts der Nachrichten, die uns aus der Ukraine erreichen, fällt es allen schwer, sich auf die laufenden Geschäfte zu konzentrieren. Mir sind dazu spontan die bekannten Zeilen Bertolt Brechts „An die Nachgeborenen“ aus dem dänischen Exil in den Jahren 1934-38 in den Sinn gekommen.

Wenn wir uns nun unseren Verbandsangelegenheiten zuwenden, so heißt das nicht, dass unsere Gedanken nicht bei den Opfern eines kriegerischen Überfalls in der Ukraine wären.

Lassen Sie uns also trotz allem diesen, uns geschenkten, Tag hinnehmen und im Sinne des Philologenverbandes miteinander ins Gespräch kommen.

 

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

bevor ich zu meiner Rede komme, verweise ich auf meinen Rechenschaftsbericht im Tagungsheft. Sie haben ihn vorliegen, er ist datiert von Anfang Februar. Ich halte es an dieser Stelle nicht für sinnvoll, meinen Text zu wiederholen. Vielmehr möchte ich die Gelegenheit für Hinweise zu aktuellen Entwicklungen nutzen, die sich seit dem 1. Februar ergeben haben.

 

Wir haben 4 Themen, die auf den Nägeln brennen:

 

  1. … immer noch CORONA

Wir begrüßen im Prinzip die Lockerungen in der Corona-Pandemie, welche Ministerin Prien bereits auf einer Videokonferenz mit den Vertretern der Verbände und der Schulleiter und drei Tage später in ihrer Landtagsrede verkündete: „Unser Fahrplan sieht drei Schritte vor:

 

  1. Ab dem 3. März entfallen alle Beschränkungen von Schulunterricht und Schulleben mit Ausnahme der Masken- und Testpflicht. Schon heute gilt, dass Arbeitsgemeinschaften unter den geltenden Hygienebedingungen wieder stattfinden können. Es ist von entscheidender Bedeutung für Kinder und Jugendliche, dass sie Schule als positiven Ort, als sozialen Ort mit allen Aktivitäten erleben können. Deshalb ist dieser Schritt zurück zur schulischen Normalität so wichtig.

 

  1. Ab dem 21. März entfällt in einem zweiten Schritt die Testpflicht. Schülerinnen und Schüler sowie an Schulen tätige Personen können sich allerdings zunächst noch zweimal die Woche freiwillig zuhause testen. Hierfür werden Tests bereitgestellt.

 

  1. Spätestens am 1. April endet die Maskenpflicht in den Schulen.“

 

Damit wären die Forderungen des PhV-SH weitestgehend erfüllt. In Übereinstimmung mit dem Deutschen Philologenverband …

… freuen wir uns, wenn die Inzidenzen endlich sinken und mehr Normalität möglich wird

… fordern wir klare und verbindliche Regeln für Lockerungen an den Schulen, die trotzdem sicheren Unterricht für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte gewährleisten

… fordern wir einen an Kriterien orientierten Stufenplan, in dem verbindlich festgelegt werden soll, dass und wie häufig auch zukünftig getestet und wie mit der Maskenpflicht in den unterschiedlichen Jahrgangsstufen umgegangen werden soll

… weisen wir darauf hin, dass alle an Schule Beteiligten während der Pandemie viel geleistet haben, um Lernen trotzdem möglich zu machen. Zu keiner Zeit waren die Gymnasien für Abschluss- und obere Klassen geschlossen

… halten wir an der Forderung nach Präsenzunterricht fest. Hybridunterricht bleibt das allerletzte Mittel!

 

Wenn wir von Lockerungen sprechen, dann ist es auch Zeit, einmal Danke zu sagen!!! Und da reicht nicht eine sogenannte Corona-Zulage, die auf Kosten einer angemessenen Gehaltserhöhung gezahlt wird. Eine Corona-Zulage wird einmalig gezahlt, eine Gehaltserhöhung hätte Bestand und wäre der Sockel für zukünftige Gehaltserhöhungen.

 

  1. Belastung, Überlastung, die Lehrkraft arbeitet „flat rate“

Die Mitglieder im Landesvorstand haben eine Liste der außerunterrichtlichen Aufgaben erstellt, die wir tagtäglich „obendrauf“ erledigen. Herausgekommen ist eine umfangreiche Aufstellung. Sie finden diese auf S. 3 der Sonderausgabe unserer Verbandszeitung in Ihrer Tagungsmappe.

Wir haben versucht, die Aufgaben zu unterteilen. In solche, die von technisch-administrativen Personal erledigt werden können, also von Hausmeistern und im Sekretariat. Und es gibt eine Reihe von Aufgaben, für die mehr Personal aus dem sonderpädagogischen, den sozialpädagogischen und dem schulmedizinischen (die „Schulkrankenschwester“) Bereich einzustellen ist.

Aber die Realität sieht anders aus: All diese Aufgaben – und sicher können Sie die Listen noch ergänzen – werden von Lehrkräften erledigt – sozusagen „flat rate“.

Ich zitiere aus dem Koalitionsvertrag der CDU, der Grünen und der FDP für die aktuelle Legislatur 2017 – 2022, S. 13, Kapitel „Gesunde Schule“:

„Die Unterstützung der Lehrkräfte sowie deren Gesundheit ist uns ein wichtiges Anliegen, um das wir uns stärker kümmern wollen. […] Dabei soll der Belastungs- und Aufgabenzuwachs der vergangenen Jahre berücksichtigt werden, der insbesondere durch administrativen Mehraufwand, die wachsende Heterogenität der Schülerschaft, Inklusion und Integration entstanden ist.“

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, dieses Vorhaben und dessen Umsetzung können kaum weiter auseinanderklaffen! Deshalb gehört auch dieses Thema zu unserer Kampagne „23 – 23“.

 

III. Beförderung A 13 nach A 14

Vor ca. 1 Jahr wurden der Erlass zur Beförderung von A13 nach A14 im Schuljahr 2020/21 an die Gymnasien geschickt. Die Richtlinien sehen eine Neuerung vor: nämlich die Koppelung der Ernennung zum Oberstudienrat mit einer bestimmten Zusatzaufgabe. Es gab eine Reihe von Einsprüchen und das Procedere ist bis heute nicht endgültig geklärt.

Der Landesvorstand im Philologenverband Schleswig-Holstein hat eine Stellungnahme verfasst. Diese wurde an die Ministerin, die Staatssekretärin und dem Leiter der Abteilung Gymnasien gesandt.

Wir merken an, dass …

… es sich bei der Beförderung um die Anerkennung der pädagogischen Leistung vornehmlich im Kerngeschäft, nämlich der Erteilung von Unterricht, handelt und dass

… die Koppelung der Beförderung an eine Funktion ohne entsprechende Entlastung nicht zur Motivierung beiträgt.

Nebenbei stellt sich die Frage, welche Aufgaben noch übrigbleiben, mit denen sich nachfolgende Lehrkräfte für eine Beförderung bewähren können.

Wir merken weiter an, dass …

… sich das Eingangsamt einer Studienrätin hinsichtlich seiner Besoldung inzwischen kaum noch von den Eingangsämtern anderer Schularten unterscheidet und das beamtenrechtliche Abstandsgebot nicht mehr eingehalten wird.

Und wir schlagen ein alternatives Konzept vor: Wir regen die Wiedereinführung der Regelbeförderung an. Diese soll gestaffelt, beispielsweise vier bis zehn Jahren nach der Ernennung zur Beamtin a.L. oder zum Beamten a.L. erfolgen. Das Staffelmodell der Regelbeförderung erfüllt sowohl den Anspruch des Leistungsgedankens als auch den der strukturellen Ausgewogenheit im Gehaltsgefüge von Lehrkräften. Im Hinblick auf notwendige Schritte für eine erfolgreiche Lehrkräftegewinnung von Gymnasiallehrkräften wäre die Regelbeförderung ein maßgeblicher Faktor.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

sicher kann man über das eine oder andere geteilter Meinung sein. Festzuhalten ist jedoch, dass unser Dienstherr auch auf dem Gebiet der Karrierechancen für Gymnasiallehrer kaum Angebote präsentiert.

Ich möchte in diesem Zusammenhang nicht versäumen, dass viele Schulleiter einen anderen Standpunkt in dieser Frage vertreten. Herr Stroh, unser Vorsitzender der Direktorenvereinigung Schleswig-Holstein-der AG der OStD im PhV-SH, hat gute Gründe für eine andere Herangehensweise und wird darauf nachher sicher noch eingehen.

 

  1. Lehrkräftemangel

Was wäre, wenn ein Gymnasiallehrer ein Wochenstundendeputat von 23 Unterrichtsstunden hätte? Wenn er oder sie weitestgehend von außerunterrichtlichen Aufgaben unbehelligt bliebe? Wenn zusätzliche Belastungen wie die Klassenlehrertätigkeit, Unterricht in der Sekundarstufe II oder mehrtägige Fahrten angemessen verrechnet würden? Diese Gymnasiallehrer würden Freude und Ausgeglichenheit ausstrahlen. Seine und ihre Schülerinnen und Schüler würden spüren, dass ihr Lehrer für sein Fach „brennt“, dass seine Kenntnisse einerseits fundiert und andererseits auf dem neuesten Stand sind, weil die Zeit für persönliche Fortbildung gegeben ist. Die jungen Erwachsenen hätten Vorbilder. Sie würden von Persönlichkeiten unterrichtet, die ihnen eine rundum befriedigende Berufstätigkeit vorleben, die Erfüllung statt Gesundheitsgefährdung bringt.

Denn in keinen anderen Beruf bekommen junge Erwachsene einen vergleichbar intensiven Einblick wie in den Beruf der Lehrkraft. Machen sie positive Erfahrungen und führen sie fördernde Gespräche mit ihren Lehrerinnen und Lehrern, werden sie auch eher bereit sein, ein Lehramtsstudium aufzunehmen und später in diesem schönen Beruf zu arbeiten.

Einfach – vielleicht zu vereinfacht? – hergeleitet: Wenn Abiturienten feststellen, dass Herr Müller/Frau Schmidt tolle Lehrer sind, die für ihr Fach stehen und die begeistern können, die Freude an ihrem Beruf haben, weil auch die Rahmenbedingungen stimmen, dann fällt die Entscheidung für Lehramtsstudium leichter. Wenn also die Attraktivität des Lehrerberufes erhöht würde, könnte dem Lehrkräftemangel recht einfach entgegengearbeitet werden.

Stattdessen hat Frau Prien eine „Allianz für Lehrkräftebildung und zur Lehrkräftegewinnung“ ins Leben gerufen: Die Allianz für Lehrkräftebildung „wird das Bildungs- und Wissenschaftsministerium zukünftig bei allen Fragen zum Lehrkräftebedarf und zur Lehrkräftegewinnung beraten.“ Gleich drei Gremien werden gegründet, um die genannten Ziele zu erarbeiten und dem Bildungs- und Wissenschaftsministerium zu unterbreiten. Der Vorstand wird durch einen wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Letzterer soll mit nationalen und internationalen Experten besetzt werden. Ein breit besetztes Kuratorium leistet die Zuarbeit. Es besteht aus „je einer Schulleitung pro Schulart, zwei Elternvertreterinnen oder -vertreter, zwei Schülerinnen oder Schüler, zwei Studierende, zwei Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst, zwei Fachwissenschaftlerinnen oder Fachwissenschaftler, zwei Vertreterinnen oder Vertreter des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie zwei Personen der Hauptpersonalräte für Lehrkräfte.“ Bemerkenswert ist, dass die Expertise der Verbände nicht eingebunden ist.

Es handelt sich ohne Zweifel um ein ressourcenaufwendiges Vorhaben. Nicht nur finanziell und personell wird hier ein „großes Rad gedreht“. Gefragt werden muss auch nach dem zeitlichen Rahmen: Wann werden erste Erkenntnisse vorliegen? Wann wird mit deren Umsetzung gerechnet? Wann werden die ersten Wirkungen erwartet? Wann werden ausreichend Lehrkräfte zur Verfügung stehen, für alle Schularten, für alle Fächer? – Eine gewisse Skepsis scheint angebracht. Der PhV – SH wird die Fortschritte und Erfolge des Projekts kritisch begleiten.

 

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

in allen Fragen vertreten wir die Interessen des allgemeinbildenden Gymnasiums und der Lehrerinnen und der Lehrer, die an allgemeinbildenden Gymnasien arbeiten.

– Wir sind überparteilich – grundsätzlich und gerade in Zeiten des Wahlkampfes.

– Wir kennen keine falschen Loyalitäten gegenüber Parteien – seien es solche in der Opposition oder solche mit Regierungsbeteiligung.

– Wir schreiben Stellungnahmen und schicken diese an die Verantwortlichen

– Wir veröffentlichen Presseerklärungen und nutzen unseren breiten Medienverteiler.

– Wir suchen jede Gelegenheit, unsere Interessen zu vertreten und nutzen Hintergrundgesprächen für Forderungen, Erläuterungen du Aufklärung.

Wenn Sie unsere Terminlisten in den Ausgaben der Verbandszeitung zur Kenntnis nehmen, können Sie erkennen, dass die Mitglieder des Landesvorstandes munter unterwegs sind.

Bei allem wünschen wir uns und nutzen wir eine möglichst breite Beteiligung unserer Mitglieder, also von Ihnen. Im Idealfall setzten sich Ihre Regionalvertreter mit Ihnen in Verbindung, wenn es um die Erstellung von Papieren, Stellungnahmen und Presseerklärungen geht. Wir sind auf die breite Vielfalt der Geschehnisse vor Ort an den Schulen angewiesen. Anregungen und Stichworte nehmen wir gerne auf.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und stehe für weitere Fragen und Anmerkungen gerne zur Verfügung.