Der Philologenverband Schleswig-Holstein begrüßt die Absicht der Landesregierung, die Gründe für die vorzeitigen Pensionierungen von Beamten zu ermitteln. Für die Lehrkräfte, für die dies auch gilt, kann die P h v-Vorsitzende allerdings bereits jetzt einige Ursachen festmachen: „Für den Lehrerberuf gilt, dass dieser in den vergangenen beiden Jahrzehnten an Attraktivität verloren hat. Zu einer im Bundesvergleich sehr hohen Arbeitszeit in Schleswig-Holstein sind in großem Umfang außerunterrichtliche Aufgaben gekommen, die mit dem eigentlichen pädagogischen Auftrag nichts zu tun haben“, erläutert Barbara Langlet-Ruck. Nicht nur frühzeitige Pensionierungen, sondern auch die Zunahme der Teilzeitanträge oder des beruflichen Wechsels heraus aus dem Lehrerberuf in andere Professionen sowie die an vielen Universitäten bereits feststellbare abnehmende Zahl von Lehramtsstudenten seien klare Indizien für den massiven Rückgang der Attraktivität des Lehrerberufs.

„Sozial-integrative Aufgaben kommen in einem Ausmaß hinzu, das sich die Lehrkräfte bei ihrem Berufseinstieg niemals haben vorstellen können“, so die P h v-Vorsitzende. Unklare Empfehlungen für den Besuch einer weiterführenden Schule steigern die Zahl leistungsheterogener Lerngruppen an allen Schularten und führen dazu, dass an keiner Schulart den unterschiedlichen Begabungen und dem individuellen Förderbedarf der Schülerinnen und Schüler in anzustrebendem Maß gerecht werden kann. Zeit- und kraftraubende Sozialarbeit zusätzlich zur Kernaufgabe – dem Fachunterricht – seien die Folge.

Diese vielfältigen Ursachen für ein frühes Ausscheiden aus dem Dienst könnten Landtag und Landesregierung nicht mehr ignorieren, so der Philologenverband.

Ein Beamtenbashing, verbunden mit dem Vorwurf mangelnder Belastbarkeit von Landesbediensteten, insbesondere von Lehrkräften, sei unangemessen und fern von der Wirklichkeit.

„Wir sind fest davon überzeugt, dass attraktivere Arbeitsbedingungen, materieller wie immaterieller Art, die Zahl der Frühpensionierungen deutlich einschränken könnten“, erklärte Barbara Langlet-Ruck.

 

Dr. Barbara Langlet-Ruck
 (1. Vorsitzende)

Walter Tetzloff
 (Pressesprecher)