Forderungen des Landesvorstands
zur Wiederaufnahme des Unterrichts zum Schuljahr 2021/22

Als Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Unterrichts zum Schuljahr 2021/22 setzt der Philologenverband ein vollständiges Impfangebot der Lehrerinnen und Lehrer an weiterfüh-renden Schulen bis spätestens zu den Sommerferien voraus. Sollten weitere Schutzmaßnah-men (Tests, Masken, Luftfilter, …) erforderlich bleiben, sind diese vom Dienstherrn bzw. Schul-träger umzusetzen, möglicherweise mit schulexternem Personal. Keinesfalls dürfen Lehrerinnen und Lehrer nochmals für Aufgaben eingesetzt werden, die nicht ihrem professionellen Tätigkeitsprofil entsprechen (z.B. Durchführung von Schnelltests).

Eine nicht verhandelbare Grundlage zur Wiederaufnahme des Unterrichts zum Schuljahr 2021/22 ist zudem die Versorgung der Lehrkräfte mit digitalen Dienstgeräten. Eingeschlossen ist die Wartung der Dienstgeräte sowie die abschließende Klärung sämtlicher mit dem Daten-schutz zusammenhängender Fragen. Die Installation einer bedienungsfreundlichen, digitalen Schulplattform muss endlich flächendeckend umgesetzt sein.

Um den Unterricht ab August 2021 wenigstens in seinen rudimentären Formen zu gewährleisten, sind des Weiteren folgende zwei Anpassungen umzusetzen:

• Kompensatorische Lernangebote
• Herabsetzung des Klassenteilers sowie die Erhöhung der Planstellenzuweisung

Seitens des Bildungsministeriums sind für deren Umsetzung dringliche Absprachen sowohl mit dem Zentrum für Lehrerbildung an der CAU als auch mit den Trägern, die Plätze des FSJ (Freiwilliges soziales Jahr) organisieren, unerlässlich. Deshalb ist jetzt entsprechendes Handeln der Zuständigen im Bildungsministerium geboten.

Kompensatorische Lernangebote im Schuljahr 2021/22

Wir wissen, dass manche Schülerinnen und Schüler nach den Sommerferien mit großen Lernrückständen zurückkehren werden. Sie benötigen bereits vor Schuljahresbeginn und anschließend begleitend zum regulären Unterricht kompensatorische Lernangebote. Die Alternative des Sitzenbleibens sollte nachrangig sein, um für diese Kinder und Jugendlichen nicht zusätzlich noch soziale Probleme zu schaffen. Allerdings ist grundsätzlich eine Einzelfallentscheidung in Absprache zwischen den Eltern und der Fachlehrer zu befürworten. Keinesfalls kann Ermäßigungspädagogik das Gebot der Stunde sein. Bildungsstandards, Fach-anforderungen und schulinterne Curricula sollen den Unterricht weiterhin maßgeblich bestimmen. Falsche Rücksichtnahme auf pandemiebedingten (Präsenz-)Unterrichtsausfall stehen dem Bildungsanspruch der Gymnasiasten entgegen. Zukunftschancen der Schülerjahrgänge sind auch in Pandemiezeiten hochzuhalten.

Konzept „Kompensatorische Lernangebote im Schuljahr 2021/22“

1. Einrichtung von verpflichtenden Lernzusatzangeboten in den letzten beiden Wo-chen der Sommerferien sowie an Nachmittagen im Schuljahr 21/22 „Förderpaten“ führen die Lernzusatzangebote durch:

a) Lehramtsstudierende im Masterstudium; Anerkennung als Semesterprakti-kum/Ersatz für das Semesterpraktikum, das üblicherweise nach dem 3. Master-semester zu absolvieren ist => Hier sind Absprachen zwischen dem Bildungs-ministerium und dem Zentrum für Lehrerbildung der CAU erforderlich, um An-passungen der entsprechenden Prüfungsordnungen vorzunehmen.

b) FSJ’ler: Abiturienten der Jahrgänge 2020 und 2021 wird ermöglicht, an (ihrer ehemaligen) Schule ein FSJ abzuleisten, um Pandemiefolgen abzufangen. => Hier sind Vereinbarungen zwischen dem Bildungsministerium und den Trägern (DRK usw.) zu treffen, um vermehrt FSJ-Plätze an Schulen einzurichten.

2. Diagnostik/Lernstandserhebung vor den Sommerferien in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik; bereits in diese Phase werden die Master-Lehramtsstu-denten/FSJ‘ler einbezogen.

3. Ein-/Zuteilung der Schüler in die Lerngruppen ebenfalls vor den Sommerferien: zu-ständiger Lehrer und Förderpaten gemeinsam

4. Benachrichtigung als offizielles Schreiben an die Erziehungsberechtigten (Absen-der: Ministerin und Schulleiter), in dem Ziele und die dringliche Teilnahme deutlich werden. Eltern, die dieses Angebot nicht annehmen, wird nahegelegt, von der frei-willigen Rücktrittsmöglichkeit Gebrauch zu machen.

Herabsetzung des Klassenteilers, zumindest in den Jahrgängen 5, 7 sowie im Einführungsjahrgang der Sekundarstufe II

Die Viertklässler des Schuljahres 2020/21 waren von sehr langen außerschulischen Phasen betroffen. Möglicherweise werden die üblicherweise weit auseinanderklaffenden Wissensstände, welche die Schülerinnen und Schüler aus ihren Grundschulen mitbringen, künftig noch größer sein. Schon in üblichen Jahren benötigen die Fachlehrer mehrere Wochen, um die Sextaner auf einen vergleichbaren Lern- und Wissensstand zu bringen. Infolge des pandemiebedingten (Präsenz-)Unterrichtsausfalls sind ebenso Defizite im Bereich sozialer Kompetenzen zu erwarten. Die Schüler werden nach dem einschneidenden Wechsel zur weiterführenden Schule eine noch intensivere Starthilfe benötigen. Die Aufarbeitung fachlicher und sozialer Defizite wird einen messbar erhöhten Bedarf an Zeit und Betreuung in Anspruch nehmen. Mit bisher üblichen Klassengrößen im 5. Jahrgang von bis zu 30 Schülern kann und wird der erfolgreiche Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Schule nicht gelingen. Vergleichbare Widrigkeiten sind an der Schnittstelle Übergang Unterstufe-Mittelstufe zu erwarten. Gymnasien befürchten, dass das Werkzeug der Querversetzung auf eine Gemeinschaftsschule nicht im erforderlichen Maß eingesetzt werden wird. Das bedeutet, dass auch im Jahrgang 7 die Reduzierung des Klassenteilers zu erfolgen hat.

Um den zukünftigen Oberstufenschülern mit ihren pandemiebedingten schulischen Problemen (auch: Bewertungsschwierigkeiten im Schuljahr 2020/21) gerecht zu werden, wird es zu einer großzügigen Verfahrensweise hinsichtlich der Versetzung in die Oberstufe kommen. Zusätzlich sind, wie in jedem Eingangsjahrgang, Schüler von Gemeinschaftsschulen zu integrieren. Beide Entwicklungen verbreitern die Kluft von Lern- und Wissensständen der Schüler im ersten Jahrgang der Sekundarstufe II.

Auch in diesem Jahrgang wird aus den dargelegten Gründen eine Herabsetzung des Klassenteilers/Kursteilers unumgänglich sein. Nicht nur die notwendige Herabsetzung des Klassenteilers sondern auch der Mehraufwand für weitere in Verbindung mit der Pandemie entstandenen Belastungen der Lehrerinnen und Lehrer verlangen die umgehende Erhöhung der Planstellenzuweisung und damit der Stellenausschreibungen.