Wie im Anschreiben der Staatssekretärin betont, soll es das Ziel der Neuregelung sein, „den Studienleiterinnen und Studienleitern für die Tätigkeiten mehr Arbeitszeit zur Verfügung“ zu stellen.

Die Arbeitsfelder eines hauptamtlichen Studienleiters gehören zu den anspruchsvollsten Tätigkeiten im Schulbereich. In der Ausbildung geht es darum, die zukünftigen Kollegen auf dem neuesten methodischen und didaktischen Stand in die unterrichtliche Arbeit einzuführen. In Fortbildungsveranstaltungen hat es der Studienleiter mit – in der Regel älteren – Fachkollegen zu tun, denen er auf höchstem qualitativem Niveau und in (zeit-)komprimierter Form Innovationen des Faches zu präsentieren hat. Zudem werden von den hauptamtlichen Studienleitern erwartet, dass sie ein Team von nebenamtlichen Studienleitern organisieren, Fachliteratur
und -veranstaltungen zur Kenntnis nehmen, ihr Fach konzeptionell weiterentwickeln, Fachtage planen und leiten, Netzwerke in Schule und Wissenschaft pflegen, an Arbeitssitzungen vielfältiger Art teilnehmen, sich ständig fortbilden, eigenständigen Unterricht erteilen, usw. Es fällt schwer, eine vergleichbar anspruchsvolle
Position mit derart vielen Arbeitsfeldern im Lehrbereich zu finden.

Nebenamtliche Studienleiter hingegen arbeiten in zwei Aufgabenbereichen: Zum einen erfüllen sie ihr Unterrichtsdeputat in der Stammschule, weiterhin sind sie die Ausbildung von Referendaren tätig. Damit beide Aufgaben miteinander vereinbart werden können, besteht seit längerem die Forderung, nebenamtliche Studienleiter für die Ausbildungsaufgaben mindestens hälftig abzuordnen.

Die voran gestellten Erläuterungen machen deutlich, dass eine neue Verordnung dem Ziel dienen soll, deutlich über das Normalmaß hinaus qualifizierte und engagierte Personen aus den Lehrerkollegien als Studienleiter zu gewinnen. Es darf angezweifelt werden, dass dieses Ziel so gelingen wird. Denn lediglich in einzelnen
Punkten trägt die Verordnung den tatsächlichen Belastungen Rechnung:

• Dass Fahrtzeiten nun nicht mehr pauschal abgegolten werden, sondern nach dem tatsächlichen Anfall als Arbeitszeit „spitz“ abgerechnet werden, ist ein Erfolg der Klage einer Studienleiterin im Jahre 2018, welcher das Verwaltungsgericht Schleswig Recht gegeben hatte. Der Phv-SH begrüßt, dass die Umsetzung, wie vom Gericht aufgetragen wurde, nach Verkündung schrittweise umgesetzt wurde und nunin einer Verordnung Niederschlag findet.

• Positive Ansätze in der Neufassung der Landesverordnung sieht der Phv-SH auch in dem Bemühen, die Anrechnung von „Dienstbesprechungen, Mitarbeit in Arbeitskreisen, Fachberatung im Einzelfall, eigene Fortbildung und dergleichen“ (Pkt. 7) neu zu regeln. Die „Einzelfallregelung“ „zugewiesener Aufgaben (zum Beispiel zentrale Abschlüsse, Bildungsstandards, Fachanforderungen, Vergleichsarbeiten, Landesfachberatung)“ (Pkt. 6) spiegelt jedoch die aktuelle kleinschrittige und als nachteilig empfundene Faktorisierung nach wie vor wider (s.u.).

• Gleichfalls positiv sind die Änderungen im Zusammenhang mit der Anrechnung im Krankheitsfall zu werten. Dass nunmehr eine Einzelfallentscheidung in Abhängigkeit von dem tatsächlichen Arbeitsanfall während der Dauer der Erkrankung getroffen werden soll, ist als angemessen einzustufen.

Hingegen bildet die Neufassung der Landesverordnung leider unverändert in vielen Bereichen nicht den erforderlichen, tatsächlichen Arbeitsaufwand für die verschiedenen Aufgaben ab.

Die festgefahrene Situation „Hauptamtler versus Nebenamtler“ wird keineswegs behoben. Denn eine Vielzahl von Arbeitsfeldern dürfen aufgrund der Aufgabenbeschreibung qua Amt nur von den hauptamtlichen Studienleitern erledigt werden. Seit Jahren weisen daher deren Arbeitszeitkonten eine massive Überstundenlast auf, obwohl die Faktorisierung dem tatsächlichen Arbeitsaufwand nicht entspricht. Überstunden, die aufgrund der Aufgaben weder abgearbeitet noch bezahlt werden. Im Gegensatz dazu haben die nebenamtlichen Studienleiter aufgrund der Kleinschrittigkeit der Faktorisierung ihrer Tätigkeit das ständige Problem, schnell und massiv in die Unterlast zu geraten. Eine Reduzierung ihrer Abordnung, wie sie ihnen angetragen wird, löst in keiner Weise diese Situation, sondern verstärkt sie noch. Denn unterhälftig beschäftigte nebenamtliche Studienleiter, die lediglich noch einen unterrichtsfreien Tag pro Woche in der Schule bekommen, können den wöchentlichen Modultag (Mittwoch) und anstehende Unterrichtsbesuche an anderen Wochentagen nicht mehr miteinander vereinbaren.

Auf diese Missstände wurde in der Vergangenheit in Gesprächen mit den Verantwortlichen und bei verschiedenen Gelegenheiten immer wieder mit Nachdruck hingewiesen. Es ist bedauerlich, dass diesen aufgezeigten und vielfältigen, die Kollegen stark belastenden Bedingungen noch immer nicht ausreichend Rechnung getragen wird.

Trotz positiver Ansätze trägt die Neufassung der Landesverordnung unter dem Strich also nur wenig dazu bei, bestehende und seit längerem bekannte Probleme der Studienleiterarbeitszeit zu lösen.

Der Phv-SH regt deshalb an, den Entwurf einer Neufassung der Landesverordnung über die Arbeitszeit von Studienleiterinnen und Studienleitern des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (StlAZVO) noch einmal grundlegend zu überarbeiten.

Um die Qualität der Lehreraus- und -fortbildung in Schleswig-Holstein aufrecht zu erhalten,
• sollten weitere Stellen für hauptamtliche Studienleiter (mehrere pro Fach) eingerichtet werden,
• sollte eine unterhälftige Abordnung von nebenamtlichen Studienleitern nur in begründeten Ausnahmefällen möglich sein,
• sollte die zu geringe und kleinschrittige Faktorisierung der Arbeitsfelder aufgehoben werden.