Aus dem Anschreiben geht hervor, dass aufgrund vielfältiger Mangelsituationen im Bereich der Gymnasien, Gemeinschaftsschulen und Grundschulen sowie der Sonderschulen Anpassungen notwendig werden. Folgen dieser Anpassungen werden zum einen eine weitere Aufblähung des Kriterienkatalogs sein, der eine stark differenzierte, in ihrer Gewichtung schwer nachvollziehbare, Bonuspunkteverteilung aufweist (Anlage zu § 5 Abs. 1). Die Summe dieser Bonuspunkte wird dann maßgeblich über die Vergabe von Ausbildungsplätzen der zweiten Ausbildungsphase von Lehrern entscheiden. Zum anderen wird in dem Anschreiben erläutert, dass dem Mangel an Absolventen im Lehramt Sonderpädagogik verstärkt durch eine Einstellung von Quereinsteigern begegnet werden soll.
Der Effekt eines derartig ausgeweiteten Kriterienkatalogs ist fragwürdig. Dies betrifft insbesondere die Änderung oder Anpassung seiner Kriterien in regelmäßiger, kurzer zeitlicher Folge. Eine Einstellung auf diese Bedingungen seitens der Studienabsolventen ist angesichts einer mindestens fünfjährigen Studienzeit und der sich terminbedingten anschließenden Wartezeit auf einen Ausbildungsplatz nicht möglich. Den Studienanfängern, die sich bei der Studienfachwahl dennoch bewusst für ein aktuelles Mangelfach entscheiden, wird keine mittel- oder langfristige Garantie für eine Ausbildungsplatzzuweisung gegeben. Angesichts der im Bundesvergleich nachteiligen Arbeitsbedingungen im Schuldienst Schleswig-Holsteins kann auch nicht von einer nennenswerten Anzahl von Außenbewerbungen ausgegangen werden.
Die grundsätzlich vorrangige Prämisse der Bestenauslese wird durch den sehr umfangreichen Bonuspunkte-Katalog, welcher zehn Felder mit weiteren Unterkriterien aufführt, unangemessen relativiert. Es stellt sich die Frage nach dem Anteil der Studienabsolventen, die aufgrund ihrer sehr guten Abschlussnote einen Ausbildungsplatz bekommen. Es steht zu befürchten, dass sich die Anzahl auswärtiger Bewerber auch aus diesem Grund weiterhin in Grenzen halten wird bzw. nicht die Besten nach Schleswig-Holstein kommen.
Die Berücksichtigung von Quereinsteigern im Schuldienst muss weiterhin lediglich eine Ausnahme bleiben. Die im Entwurf dargestellte notwendige Ausweitung dieser Gruppe führt unweigerlich zu der Frage, warum die Absolventenzahlen in der Sonderpädagogik in Schleswig-Holstein derart zurückgegangen sind. Die Antworten liegen auf der Hand. Die Schließung des Studienganges an der Christian-Albrechts-Universität Kiel und gleichzeitige Verlagerung an die Europa Universität Flensburg waren ein folgenschwerer Fehler, der prognostiziert wurde und sich leider mittlerweile bewahrheitet. Hinzu kommen gravierende Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen von Sonderschullehrern in den vergangenen Jahren. Denn durch die weitgehende Auflösung von Förderschulen gehört es zum Berufsbild der Kollegen, Schülern an mehreren Schulen zu betreuen mit all den zusätzlichen Arbeitsbelastungen, die sich daraus ergeben. Auch in diesem Lehramt kann daher kaum von einer nennenswerten Anzahl von Außenbewerbern mit einem Universitätsabschluss in der Sonderpädagogik ausgegangen werden.
Aufgrund der dargelegten Ausführungen bittet der Philologenverband um Berücksichtigung folgender Überlegungen:
– Der Bestenauslese bei der Vergabe von Plätzen in der zweiten Ausbildungsphase muss ein unbedingter Vorrang eingeräumt werden.
– Die Liste der Bonuspunktekriterien (Anlage zu § 5 Abs. 1) zur Vergabe von Ausbildungsplätzen soll mit dem Ziel überdacht werden, diese erheblich zu einzuschränken.
– Die Kriterien zur Bonuspunktevergabe sollen über einen längeren Zeitraum Gültigkeit bewahren, damit Lehramtsstudenten sich darauf einstellen können. Dazu gehört weiterhin die Sorge für eine größtmögliche Transparenz und Bekanntmachung dieser Liste.
– Die Arbeitsplatzmerkmale von Lehrern in Schleswig-Holstein sollen soweit verbessert werden, dass der Anteil von Quereinsteigern auf ein Minimum beschränkt bleiben kann.

Dr. Barbara Langlet-Ruck
2. Vorsitzende