Der Philologenverband Schleswig-Holstein begrüßt die Neufassung des Leitungszeiterlasses und die Möglichkeit einer Stellungnahme.

Positiv hervorzuheben ist, dass mit dieser Neufassung der zunehmenden Arbeitsbelastung der Lehrkräfte Rechnung getragen werden soll und die Möglichkeit einer verbesserten Arbeitsentlastung geschaffen wird. Das wird vor allem in der deutlichen Anhebung der Entlastungsstunden für Schulleitungen und deren Stellvertretungen offensichtlich. Hier schafft der angepasste Erlass die Zeitfenster, welche den deutlich gestiegenen Umfang an außerunterrichtlichen Verpflichtungen in einer angemessenen Art und Weise bewältigen und den erhöhten Anforderungen administrativer Aufgaben an Schulleitungen qualitativ und zeitlich angemessen gerecht werden können.

Die Abschaffung der Eingruppierung der Entlastungsstunden für unterschiedliche Schularten steht für eine sinnvolle Deregulation und Vereinfachung im Erlass und spiegelt die schleswig-holsteinische Schullandschaft mit dem Zwei-Säulen-Modell wider. Ähnlich ist die Neuverteilung der Grenzen der Schülerzahlen zu bewerten. Auch hier handelt es sich um eine sinnvolle Anpassung, die sich, das ist jedoch noch Spekulation, passgenauer an den realen Schülerzahlen der Allgemeinbildenden Gymnasien orientieren kann. Problematisch könnten dabei allerdings große Schwankungen in den Schülerzahlen sein, da die Bemessungsgrundlage für das Zeitbudget immer das jeweils vorangegangene Schuljahr sein soll. Hier wäre eine kurzfristige Nachsteuerung im laufenden Schuljahr hilfreich, soweit das im Rahmen liegt und überhaupt verwaltungstechnisch umgesetzt werden kann.

Folgerichtig ist bei der geplanten Erhöhung der Entlastungsstunden die Senkung der Mindestunterrichtsverpflichtung für Schulleitungen und ihre Stellvertretungen. Eine weitere Verringerung wäre aus Sicht des Philologenverbandes wenig sinnvoll, da die Schulleitungen und ihre Stellvertretungen auch immer noch ihrer ursprünglichen Profession, dem Unterrichten, nachgehen sollten.

Weniger positiv kann allerdings die Tatsache bewertet werden, dass in der Zuweisung der Entlastungsstunden für andere Leitungs- und Koordinierungsaufgaben an Allgemeinbildenden Gymnasien keine nennenswerte Veränderung zu finden ist. Das ist bedauerlich, denn auch in diesen Aufgabengebieten wächst die Belastung und der Bedarf kontinuierlich, so dass eine Entlastung im Unterrichtsdeputat für die Lehrkräfte, die Koordinationsaufgaben wahrnehmen, dringend angeraten ist. Die Möglichkeit, dass Schulleitungen und Stellvertretungen Leitungszeit an andere Lehrkräfte delegieren können, verfehlt aus Sicht des Philologenverbandes seine Wirkung, würde doch damit die oben angesprochene Entlastung für Schulleitungen und ihre Stellvertretungen konterkariert werden.

Das Zeitbudget für Schulentwicklung und Gesunde Schule (§5) wird bei den meisten Allgemeinbildenden Gymnasien durch das neue Verteilverfahren nach Schülerzahlen deutlich erhöht werden. Das ist zunächst positiv zu sehen. Fraglich bleibt jedoch, ob durch diese in der Tat signifikante Erhöhung der zugewiesenen Stunden eine ebenso qualitative und zeitlich angemessene Intensivierung der Schulentwicklung vorangetrieben werden kann. Gerade vor dem Hintergrund der Diskussionen um Ganztagsangebote, Begabtenförderung, Öffnung von Schule, Entwicklung von Konzepten zur Berufsorientierung und „lebensnäheren“ Angeboten im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften oder anderen Unterrichtsformen an Allgemeinbildenden Gymnasien scheint diese Erhöhung des Zeitbudgets auf jeden Fall sinnvoll, aber immer noch nicht in vollem Umfang ausreichend zu sein.

So kann man leicht beim Blick in die Kollegien der Allgemeinbildenden Gymnasien des Landes Schleswig-Holstein feststellen, dass zahlreiche Lehrkräfte mit einem vollen Unterrichtsdeputat von 25,5 Unterrichtswochenstunden, selbst wenn sie zukünftig eine halbe oder eine ganze Unterrichtswochenstunde Entlastung erhalten werden, und mehr wird auch bei der geplanten Erhöhung des Zeitbudgets für Schulentwicklung und gesunde Schule nicht möglich sein, kaum mehr Kapazitäten für ihren Einsatz in der Schulentwicklung haben als vorher. Die Problematik, dass proportional viele Lehrkräfte an den Allgemeinbildenden Gymnasien ihr Unterrichtsdeputat freiwillig reduzieren, um ihrem eigenen Anspruch an gutem Unterricht und Einsatz für die „eigene“ Schule nachzukommen, kann mit dem neuen Erlass zumindest im Ansatz, aber sicher nicht zur vollen Zufriedenheit gelöst werden.

Der Philologenverband würde eine zügige Umsetzung des Erlasses, insbesondere des § 1, begrüßen. Wünschenswert wäre das ebenso für die anderen Teile des Erlasses. Wenn in der Ermittlung des Zeitbudgets die Schülerzahlen des jeweils vorangegangenen Schuljahres herangezogen werden, so spricht aus Sicht des Philologenverbandes nichts gegen eine Umsetzung des Erlasses bereits zum kommenden Schuljahr. Dies würde eine zeitnahe und dringend erforderliche Entlastung für die Gesamtkollegien an den Allgemeinbildenden Gymnasien des Landes Schleswig-Holstein bedeuten.

Jan Kunze (Regionalvertreter Süd-Ost – Mitglied im Landesvorstand des PhV)

Landesvorstand des Philologenverbandes