Bereits im November 2019 hat er Philologenverband SH eine Stellungnahme zum „Entwurf einer Neufassung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung Lehrkräfte (APVO Lehrkräfte)“ abgegeben (Anlage). Diese Ausführungen behalten ihre Gültigkeit. Insbesondere möchten wir auf die mehrfach geäußerte Forderung hinweisen, das Referendariat wieder auf vier Semester auszuweiten. Die Erfahrungen in den vergangenen Wochen während der Corona-Pandemie bekräftigen einmal mehr die Dringlichkeit einer Verlängerung der zweiten Ausbildungsphase.

 

Zu folgenden Anpassungen in der aktuellen Änderungsfassung erlauben wir uns, Ergänzungen bzw. Anmerkungen zu geben:

§3 Dauer des Vorbereitungsdienstes

(6) Anrechnung von Vorleistungen, die während einer parallelen Ausbildung an einer Universität erbracht wurden

Stellungnahme: Eine derartige Anrechnung darf nicht zu einer Entprofessionalisierung des Berufsbildes von Lehrern führen. Beispielsweise unterscheidet sich die Lehrtätigkeit an einer Universität, als eine mögliche Anrechnungsleistung, grundsätzlich von einer solchen an Schulen. Insbesondere gilt dies für pädagogische sowie fach- und allgemeindidaktische Kompetenzen, die im Referendariat erworben werden. Auch stellt der Unterricht von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vollkommen andere Ansprüche an die Profession von Lehrern als die Wissensvermittlung an Erwachsene, die von Universitätsdozenten geleistet wird.

 

§7 Ausbildung durch die Schule

(5) Anteil des eigenverantwortlichen Unterrichts

Stellungnahme: Der Philologenverband spricht sich gegen die Sonderregelung für Quereinsteiger aus, nach der diese von bis zu vier Stunden eigenverantwortlichen Unterrichts befreit werden können, wenn diese durch Veranstaltungen des IQSH oder einer Universität ersetzt werden (z.B. Veranstaltungen mit pädagogischen und/oder fachdidaktischen Schwerpunkten). Zwar ist unmittelbar nachvollziehbar, dass gerade in diesen Fragen für einen Quereinsteiger ein nicht zu unterschätzender Nachholbedarf besteht. Diesem dürfen allerdings keinesfalls Anteile des eigenverantwortlichen Unterrichts zum Opfer fallen. Wiederum würde die Gefahr einer Entprofessionalisierung des Lehrerberufes Tor und Tür geöffnet werden. Die Gleichstellung einer unspezifischen Ausbildung und Berufstätigkeit und einer sehr variabel ausgelegten Weiterbildungsphase der Quereinsteiger mit Lehrern, die ein mindestens zehnsemestriges Lehramtstudium, ein anschließendes Referendariat und möglicherweise zwischengeschaltete, längere Wartezeiten absolviert haben, wäre letzteren nur schwer zu vermitteln.

$34 Ausnahmeregelungen bei Unterrichtsausfall

Der PhV begrüßt die gründlichen Überlegungen sowie die in der Verordnung abgebildeten Möglichkeiten, welche zur Lösung eines während einer Sondersituation notwendigerweise weitreichendem Unterrichtsausfalls beitragen sollen. Einerseits ist selbstverständlich anzustreben, dass Referendare umfassende Unterrichtserfahrung, sowohl eigenverantwortlich als auch unter Anleitung, sammeln können. Andererseits steht der Schutz vor gesundheitlichen Gefahren immer an erster Stelle. Beiden Erfordernissen tragen die Ausführungen in der Verordnung Rechnung.

Zu Pkt. 10. Nutzung von informationstechnisch gestützten Übertragungsverfahren bei Prüfungen

Stellungnahme: Der Philologenverband unterstützt auch die Möglichkeit, in außergewöhnlichen Zeiten auch in Prüfungssituationen auf direkte persönliche Kontakte zu verzichten. Diese Maßnahmen sollen jedoch eine absolute Notlösung bleiben.

 

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Anlage:

Stellungnahme des Philologenverbandes SH zum „Entwurf einer Neufassung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung Lehrkräfte (APVO Lehrkräfte)“, November 2019

Für den Philologenverband:
Dr. Barbara Langlet-Ruck