Der Philologenverband Schleswig-Holstein begrüßt die Neufassung der Ausbildungs- und Prüfungs­ordnung Lehrkräfte (APVO Lehrkräfte)

Besonders positiv hervorzuheben ist, dass das Lehramt an Gymnasien wiedereingeführt und das Lehramt an Gemeinschaftsschulen gesondert ausgewiesen wird. Eine klare Laufbahnzuordnung von Bewerberinnen und Bewerbern wird nun wieder deutlich. Der Philologenverband geht davon aus, dass diese eindeutigen Bezeichnungen auch im schleswig-holsteinischen Bewerbungssystem (pbOn) ihren Niederschlag finden. Das „Lehramt an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen (Sekundarschul­lehramt)“ ist durch die genannten Bezeichnungen zu ersetzen, so dass auch Schulleiter die einschlä­gige Ausbildung von Bewerberinnen und Bewerbern auf Anhieb erkennen können. Als selbstver­ständlich wird erwartet, dass die Bezeichnung „Laufbahn für Studienrätinnen und Studienräte an Gymnasien“ wieder im Zeugnis des Zweiten Staatsexamens aufgenommen wird. Die verwendete For­mulierung „Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen (Sekundarschul­lehramt) in der Laufbahngruppe 2 in der Fachrichtung Bildung“ ist entsprechend zu ersetzen. Des Weiteren soll den jungen Lehrkräften, welchen ein derartiges Zeugnis ausgehändigt wurde, die Mög­lichkeit gegeben werden, sich ein neues Zeugnis mit der eindeutigen Zuordnung „Lehramt an Gymna­sien“ ausstellen zu lassen. Aufgrund der unklaren Bezeichnung vielfältig erfahrene Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Bewerbungen in anderen Bundesländern sollen dadurch zukünftig vermieden werden.

Der Philologenverband hat sich wiederholt für eine Rückkehr zu einem viersemestrigen Referendariat ausgesprochen. Die Struktur der gegenwärtigen Ausbildung führt in vielen Fällen zu einem lediglich 15 bis 16 Monate umfassenden Referendariat, nämlich dann, wenn die Zweite Staatsexamensprü­fung bereits in den Monaten April/Anfang Mai bzw. Oktober/Anfang November liegt. Die bereits vor Einführung der Ausbildungsverordnung vielfältig geäußerten Zweifel an der Sinnhaftigkeit des ver­pflichtenden Besuchs von Ausbildungsmodulen nach dem Termin des Zweiten Staatsexamens beste­hen weiterhin. Erfahrungen haben gezeigt, dass Referendarinnen und Referendare Vermeidungsstra­tegien entwickeln, um sich diese nach der Prüfung liegenden Module zu ersparen und sich zielgerich­tet ihren Bewerbungsvorhaben widmen zu können.

Die Möglichkeit für Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst, die bis zum 31. Januar 2024 ihre Ausbildung beginnen, eine fachdidaktische Hausarbeit durch eine DAZ-Klausur zu ersetzen (§33, 3: Übergangsbe­stimmungen), sieht der Philologenverband unverändert kritisch. Auch wenn im Verordnungstext ex­plizit auf eine Vergleichbarkeit der Leistungen hingewiesen wird, hat sich doch in der Realität gezeigt, dass der Arbeitsaufwand für eine DAZ-Klausur keinesfalls mit demjenigen für die Erstellung einer fachdidaktischen Hausarbeit vergleichbar ist. Vielmehr sollte folgendes Sachargument anerkannt werden und demzufolge Niederschlag in der Umsetzung finden: Jede angehende Lehrkraft hat sich einmal während der zweiten Ausbildungsphase intensiv und auf Grundlage der in den Modulen und der Unterrichtspraxis erworbenen Erkenntnisse mit der Planung, Durchführung und Evaluation einer Unterrichtseinheit zumindest in einem ihrer Fächer auseinanderzusetzen. Nach dem zweiten Staats­examen lassen es die Belastungen im Lehrerberuf kaum noch zu, mit einer solchen Gründlichkeit Un­terricht zu planen, durchzuführen und zu evaluieren.

Im Übrigen wird ausdrücklich begrüßt, dass in der Verordnung nun festgeschrieben wurde, dass die Dienstliche Beurteilung der Lehrkraft im Vorbereitungsdienst auszuhändigen ist (§12, 2) – eigentlich eine selbstverständlich zu erwartende Vorgehensweise im wertschätzenden Umgang miteinander.

Der Philologenverband möchte die Möglichkeit einer Stellungnahme zur Neufassung der Ausbil­dungs- und Prüfungsordnung Lehrkräfte (APVO Lehrkräfte) ergänzend dazu nutzen, auf den Fortbe­stand einer hohen Qualität der Ausbildung zu dringen. Diese haben im entscheidenden Maße auch die Studienleiterinnen und Studienleiter zu leisten. Daraus ergeben sich für deren Arbeitsbedingun­gen folgende Mindestkriterien: keine unterhälftige Abordnung, angemessene Modulgrößen sowie kurze Fahrwege. Im letzteren Zusammenhang weist der Philologenverband ein weiteres Mal darauf hin, dass intensiv auf eine regionalisierte Ausbildung hingearbeitet werden sollte.

Landesvorstand PhV SH