Die Idee eines „Lernsommers“, die Bildungsministerin Karin Prien Landtag und Öffentlichkeit vorstellte, trifft beim Philologenverband Schleswig-Holstein auf ein kritisches Echo. Die Vertretung der Gymnasiallehrer sieht erhebliche Schwierigkeiten bei der Realisierung dieses zwar ambitionierten, aber doch sehr kurzfristig geplanten Vorhabens.

„Trotz der Freiwilligkeit, die die Ministerin sowohl den Schülerinnen und Schülern als auch den Lehrkräften in Bezug auf die Arbeit in den Sommerferien zugesteht, sind erhebliche Zweifel an der Durchführbarkeit und an der Effizienz dieser Maßnahme angebracht“, so der Vorsitzende des PhV Schleswig-Holstein, Jens Finger. Er kritisierte, dass angesichts der mündlichen Abiturprüfungen und der Zeugniskonferenzen viel zu wenig Zeitressourcen vorhanden seien, um einen solchen „Lernsommer“ wirkungsvoll zu planen und zu gestalten. „Die Schulleitungen haben derzeit andere Arbeitsschwerpunkte!“ Überdies werde es schwierig sein, genügend geeignete Lehrkräfte für die Aufgabe zu mobilisieren. Lehramtsstudenten und bereitwillige Referendare dürften landesweit nur in begrenzter Zahl zur Verfügung stehen, so Finger. Dies gelte insbesondere für periphere Regionen des Landes.

Einer Entprofessionalisierung des Lehrerberufs durch wenig qualifizierte externe Kräfte müsse entgegengewirkt werden.

Schwierig sei auch eine Abstimmung des Konzepts mit dem Schulträger. In vielen Fällen seien die Reinigungskräfte zu Beginn der Sommerferien im Urlaub, Gleiches gelte für die Hausmeister.
Angesichts der Freiwilligkeit der Teilnahme ist nach Überzeugung des PhV auch in Zweifel zu ziehen, dass der „Lernsommer“ die richtige Zielgruppe erreiche. Bei einem begrenzten Angebot an Lehrkräften und Räumen müsse eine Auswahl getroffen werden. Dieses Procedere komme auf Schulleitungen zu, die angesichts der Corona-Maßnahmen schon die Grenze ihrer Arbeitskraft erreicht haben dürften.

Der Philologenverband sprach sich für alternative Maßnahmen aus, die den Unterrichtsausfall aufgrund der Corona-Maßnahmen seit März 2020 kompensieren könnten. Dazu gehören gezielte Förderkurse in den Fächern Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache, die für bedürftige Schülerinnen und Schüler zu Beginn des neuen Schuljahres eingerichtet werden sollten. Grundlage für die Teilnahme an den Förderkursen sollten oder könnten die Zeugnisnoten am Ende des Schuljahres sein.

Außerdem seien Wirtschafts- und Betriebspraktika, Schulausflüge und Fachtage, also der gesamte Komplex „Lernen am anderen Orte“ auf ihre Sinnhaftigkeit im ersten neuen Schulhalbjahr zu überprüfen. „So kann Unterrichtsausfall sinnvoll minimiert werden“, stellte Jens Finger fest.

„Unsere wichtigste Forderung aber lautet: Mehr ausgebildete Lehrkräfte im neuen Schuljahr!“ Damit könnten kleinere Klassen und Fördermaßnahmen realisiert werden.

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