Die behutsame Rückkehr zu einem ansatzweise normalen Unterrichtsbetrieb in den Schulen wird vom Philologenverband Schleswig-Holstein begrüßt. „Wir unterstützen im Großen und Ganzen die von der Landesregierung geplanten Maßnahmen, um jahrgangsweise und in Stufen zum Präsenzunterricht zurückzukehren“, erklärte der Vorsitzende des Verbandes, Jens Finger. Gleichzeitig ermahnte er die Bildungsministerin und die örtlichen Schulträger, die pandemiebedingten Vorsichtsmaßnahmen, insbesondere die Hygienevorgaben, sicherzustellen und dafür die entsprechenden Anstrengungen zu unternehmen. „Das darf nicht allein in der Verantwortung der Schulen liegen“, so Finger, der hier besonders die Schulträger in der Pflicht sah, die räumlichen Voraussetzungen zu gewährleisten.

Der Philologenverband wandte sich entschieden gegen den Vorschlag des Landeselternbeirats der Gemeinschaftsschulen, die schleswig-holsteinischen Schulen bis zum Ende des Schuljahres komplett zu schließen. „Wer dies fordert, verstößt gegen das Gebot der Verhältnismäßigkeit und ignoriert den Bildungswillen der jungen Menschen!“ so Jens Finger, der sich der gegenteiligen Position der Landesschülersprecherin anschloss. Der digitale Fernunterricht könne die Pädagogik in der Schule und das gelenkte Unterrichtsgespräch im Klassenraum nicht ersetzen, so die Position des Philologenverbandes.

Nach Auffassung des Verbandes darf die derzeitige Phase des Fernunterrichts und des sehr eingeschränkten Präsenzunterrichts nicht dazu führen, den Leistungsgedanken komplett aus den Gymnasien fernzuhalten. Der Passus des ministeriellen Erlasses, Schülerinnen und Schüler „nicht durch Bewertungsaspekte zu belasten“ wird als realitätsfern und nicht hilfreich angesehen. „Damit wird die Botschaft vermittelt, das Engagement in Zeiten von Corona sei beliebig und bleibe folgenlos – zum Nachteil leistungsbereiter Schülerinnen und Schüler“, so die 2. Vorsitzende des Verbandes, Dr. Barbara Langlet-Ruck. „Mit Lern´angeboten` ist es nicht getan!“

Der Verband forderte außerdem die Bildungsministerin auf, nicht den Weg einzelner Bundesländer zu gehen, die in diesem Sommer die Klassenwiederholung („Sitzenbleiben“) ausschließlich auf freiwilliger Basis zulassen. „Das wäre der falsche Weg“, so Jens Finger, „denn dadurch würde Schülern mit unzureichenden Leistungen am Schuljahresende die Illusion vermittelt, sie könnten im nächsten Schuljahr ohne Schwierigkeiten den Lernstoff bewältigen!“ Die Zustimmung des Philologenverbandes findet die von der Bildungsministerin verordnete Notenfindung aufgrund der Leistungen des gesamten bisherigen Schuljahres – bei geringerer Berücksichtigung der Leistungen während der derzeitigen Phase des Fernunterrichts. „Dieses Verfahren erlaubt einen realistischen Blick auf das Leistungsvermögen unserer Schüler“, so die Überzeugung des Verbandsvorsitzenden.

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