In der öffentlichen Diskussion um die Sommerferien 2020 plädiert der Philologenverband Schleswig-Holstein für Vernunft und Realitätssinn. „Die Corona-Krise rechtfertigt weder eine Verkürzung noch eine Verschiebung der diesjährigen Sommerferien“, erklärte der Vorsitzende des Philologenverbands Schleswig-Holstein, Jens Finger. Die Inanspruchnahme des Jahresurlaubs sei in vielen Familien längst geplant bzw. vollzogen, so dass hier zusätzlich zu anderen coronabedingten Belastungen erneut Unruhe und Unsicherheit in die Haushalte getragen würde. Ein Anspruch auf ausreichende Erholung sei die naheliegende Konsequenz, nicht ungeplante Einschnitte. Dies gilt, so der Philologenverband, auch für die Lehrkräfte, die durch die für sie ungewohnte wochenlange Vorbereitung und Gestaltung von Fernunterricht via elektronische Medien eine Herausforderung zu bewältigen hatten und noch haben, die für alle Beteiligten neu sei.

Möglich sind für den Philologenverband allerdings freiwillige Zusatzangebote am Rande der Sommerferien wie die in einigen Schulen praktizierte „Sommerschule“, in der Schülerinnen und Schüler mit Lerndefiziten aus dem abgelaufenen Schuljahr die Möglichkeit erhielten, Stoff nachzuholen oder zu vertiefen.

Auch eine Verschiebung der schleswig-holsteinischen Sommerferien auf die Monate August und September lehnt der Philologenverband ab. „Dann würde das neue Schuljahr 2020 / 21 noch kürzer, auch die Herbstferien müssten verlegt werden, und eine bundesweite Konzentration der Sommerferien auf einen relativ kurzen Zeitraum würde den Reiseverkehr innerhalb Deutschlands in die Höhe treiben und die Urlaubsregionen überfordern, – eine Entwicklung, die mit Sicherheit nicht zu den Plänen der Corona-Eindämmung passen würde“, so Jens Finger.

Der Verband übte überdies Kritik an den Einlassungen von Bundespolitikern wie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, in deren Entscheidungskompetenz die Ferienregelungen nicht fallen. „Das ist laut Grundgesetz Sache der Länder“, so Finger, der in diesem Zusammenhang auf einen Beschluss der Kultusministerkonferenz der Länder verwies: „Die Mindestdauer der Sommerferien beträgt sechs Wochen“. Deren Festlegung für die einzelnen Länder sei das Ergebnis mühevoller, langjähriger Planung und sollte durch unbedachte Äußerungen von Bundespolitikern nicht in Frage gestellt werden.

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