„Die Lehrkräfte an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen müssen und wollen sich wieder mehr auf ihr pädagogisches Kerngeschäft konzentrieren!“ Mit diesen Worten leitete der Vorsitzende des Philologenverbandes Schleswig-Holstein, Jens Finger, den diesjährigen Jahreskongress seiner Organisation im Rendsburger Conventgarten ein. „Wenn wir guten Unterricht, der solide und kreativ vorbereitet ist, erteilen wollen, dann brauchen wir eine spürbare Entlastung von unterrichtsfremden Aufgaben und von Bürokratie, dann brauchen wir aber auch kleinere Lerngruppe, damit wir einer immer heterogeneren Schülerschaft gerecht werden“, forderte Finger, der auf die in allernächster Zeit zu erwartenden Ergebnisse der umfangreichen Arbeitszeitstudie verwies, die der Deutsche Philologenverband in Zusammenarbeit mit der Universität Rostock in Auftrag gegeben hat. Die Bundesvorsitzende des Verbandes, Frau Prof. Susanne Lin-Klitzing, die den Delegierten in Rendsburg die Methodik der wissenschaftlichen Arbeitszeitstudie erläuterte und zudem den Festvortrag der Rendsburger Veranstaltung hielt, hob positiv die hohe Beteiligung der schleswig-holsteinischen Gymnasiallehrerinnen und –lehrer an der bundesweiten Untersuchung hervor. Darin zeige sich, so Susanne Lin-Klitzing und Jens Finger, dass der Wunsch der hiesigen Lehrerschaft nach einer spürbaren Veränderung der Arbeitssituation besonders hoch sei.

Konkret forderte der Philologenverband eine Reduktion des Wochenstundendeputats um zwei Unterrichtsstunden. „Dadurch würden wir mit Niedersachsen gleichziehen!“ so Finger, „und das wäre ein Wettbewerbsvorteil bei der Einstellung junger und qualifizierter Lehrkräfte!“ Eine weitere konkrete Forderung belief sich auf die Zahl der Konferenzen. „Hier ließen sich sicher ein paar Termine einsparen, ohne dass unsere pädagogische oder fachliche Arbeit Schaden nähme“, erläuterte Finger.

Im Einvernehmen mit der schleswig-holsteinischen Dachorganisation des PhV, dem Beamtenbund verlangten die Philologen mit Nachdruck eine Wiedereinführung der Sonderzahlung für Beamtinnen und Beamten („Weihnachtsgeld“). Die Delegierten ließen ihren Unmut über die harte Haltung von Finanzministerin Monika Heinold (Bündnis 90 / Die Grünen) erkennen, die trotz der Zusage der damaligen Landesregierung 2007, bei günstigerer Konjunkturlage und entsprechenden Steuereinnahmen das Weihnachtsgeld für Beamte wiedereinzuführen, dies bisher blockiert haben. „Trotz Forderungen der Landtagsopposition und trotz vorsichtigen Entgegenkommens des Ministerpräsidenten Günther in dieser Frage!“ stellte Finger heraus.

In der Schulpolitik sieht der Verband die amtierende Jamaika-Koalition und besonders Bildungsministerin Karin Prien (CDU) auf dem richtigen Wege. Dies gelte für ihre Absicht, die Oberstufe an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen behutsam zu reformieren und dabei sowohl die Allgemeinbildung in den Kernfächern als auch die von Schülerinnen und Schülern gewählten Neigungs- und Wahlfächer in ihrer Bedeutung und in der Stundenzahl zu stärken.

Der Verband forderte die Landesregierung auf, die Schulen in die Lage zu versetzen, offenkundige Fehlentscheidungen für eine weiterführende Schullaufbahn dann zu korrigieren, wenn sich bei Kindern und Jugendlichen Überforderungssymptome erkennen ließen und die damit verbundenen Vergeblichkeitserfahrungen der Entwicklung des Kindes schadeten. „Hier brauchen wir einen besseren Rechtsrahmen“, so Finger, der sich für leichtere Schullaufbahnkorrekturen vom Gymnasium an die Gemeinschaftsschule, aber gegebenenfalls auch umgekehrt stark machte.

Die Wiedereinführung der Schulartempfehlung am Ende der vierten Grundschulklasse begrüßte der Verband als Schritt in die richtige Richtung.

Als ein nach wie vor ungelöstes Problem sieht der Philologenverband laut Jens Finger die unzureichende Vergleichbarkeit der Ansprüche im Abitur. „Die Reifeprüfung an den beruflichen Gymnasien muss eine genauso große Herausforderung sein wie die an den allgemeinbildenden Gymnasien!“ forderte Finger, der sich ebenso für mehr Vergleichbarkeit der Schulabschlüsse in den einzelnen Bundesländern aussprach.

 

 

Jens Finger (1. Vorsitzender)                                      Walter Tetzloff (Pressesprecher)

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