„Die Lehrerbildung gehört zu den wichtigsten Herausforderungen der Gymnasien!“ Diese Aussage des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Oberstudiendirektoren im Philologenverband Schleswig-Holstein, Hans-Walter Thee, stand über der Jahrestagung der Schulleiterinnen und Schulleiter im Rendsburger Conventgarten.

Dazu hatte der Verband zwei zuständige Expertinnen eingeladen: die Schulbeauftragte für die Gymnasien im Institut für Qualitätsentwicklung (IQSH) und ihre ebenfalls dort tätige Kollegin Petra Fojut als zuständige Abteilungsleiterin für Fort- und Weiterbildung. Beide referierten ausführlich über Konzepte und Programme mit dem Ziel, die Lehrerbildung professionell zu gestalten und Studienleiterstellen angemessen zu rekrutieren, aber auch über Schulbegleitpro-jekte für schon im Dienst befindliche Lehrkräfte mit Fort- und Weiterbildungsbedarf. Proble-matisch aus Sicht etlicher anwesender Schulleiter sind dabei die Praxis der Ausschreibung von Studienleiterstellen, die Größe der Lerngruppen und die Fahrtzeiten der Referendare, aber auch der Studienleiter. Eine Regionalisierung der Ausbildung in der II. Phase der Lehrerbildung wird einhellig befürwortet. Aus Schulleitersicht empfiehlt sich auch deren Einbeziehung in die Auswahl geeigneter Bewerberinnen und Bewerber für die Fachleitertätigkeit.

Diese und andere Fragen standen auch im Zentrum der Begegnung der Schulleiter mit Bildungsministerin Karin Prien und den bildungspolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen von CDU, FDP und AfD, Tobias Loose, Anita Klahn und Dr. Frank Brodehl. Die Ministerin betonte, dass der Schwerpunkt ihres Hauses in den vergangenen zwölf Monaten bei der Umgestaltung vom achtjährigen zum neunjährigen Gymnasium gelegen habe, aber auch bei der Wie-dereinführung der Schulartempfehlung in Klasse 4 und weiteren Reformschritten in der Grund-schulpädagogik wie der Festlegung eines verbindlichen Wortschatzes. Außerdem seien über 90 neue Stellen für die Gymnasien geschaffen worden. Bei der in Angriff genommenen Reform der Oberstufe gehe es ihr, der Ministerin, um eine fachliche Vertiefung in den Profil- oder Neigungsfächern, aber auch um ein hohes Maß an Vergleichbarkeit der Oberstufen- und Abituranforderungen in den verschiedenen Bundesländern. Die Frage der Namensgebung für die neu-gestaltete Oberstufe sei noch offen.

Karin Prien erläuterte im Weiteren einige Vorstellungen zur stärkeren Gewinnung von Lehrkräften. Dazu gehörten materielle Anreize wie etwa eine bessere Bezahlung der Grundschulleh-rkräfte (Einstieg mit Besoldungsgruppe A 13), der Kampf gegen abwertende Urteile über Leh-rer in der Gesellschaft und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen (Entbürokratisierung der Schule).

Im anschließenden Dialog mit den Landtagsvertretern machte sich Tobias Loose (CDU) sehr für die Digitalisierung in unseren Schulen stark und betonte inhaltlich, wie wichtig gemeinsame Anstrengungen gegen den zunehmenden Populismus seien.

Anita Klahn (FDP) trat entschieden für eine Aufhebung des Kooperationsverbotes von Bund und Ländern ein – auch gegen den Widerstand von anderen Landesverbänden ihrer Partei. Au-ßerdem werde sie auch weiterhin neugegründete Oberstufen an Gemeinschaftsschulen ins Visier nehmen. Nicht alle erfüllten die Mindestvoraussetzungen (Schülerzahl).

Frank Brodehl (AfD) sprach sich für lehramtsgebundene Studiengänge aus und erklärte für seine Fraktion, dass diese ein Internet-Portal ablehne, das Lehrkräfte an den Pranger stellten, die das Neutralitätsgebot verletzten (Andere Landesverbände der AfD hatten dies kürzlich gefordert und sich damit großen Unmut innerhalb und außerhalb der Schulen zugezogen).

Jens Finger (1. Vorsitzender)
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Hans-Walter Thee (Vorsitzender der AG der
Oberstudiendirektorinnen und -direktoren)

Walter Tetzloff (Pressesprecher)
0431 – 80 41 59