Die Wiedereinführung der Noten in der dritten und vierten Jahrgangsstufe der Grundschule ist konsequent und richtig. Mit dieser Unterstützung der Bildungsministerin Karin Prien reagiert der Philologenverband Schleswig-Holstein auf die zum Schuljahresbeginn wieder entflammte Diskussion um die Vergabe von Zeugnisnoten (KN, 17. August). „Frau Prien trägt mit ihrer klugen und realitätsnahen Entscheidung dem Willen der überwiegenden Mehrheit der Eltern, dem Wunsch der Grundschüler nach verständlicher Leistungsbeurteilung und der Forderung der meisten Pädagogen an Grundschulen und weiterführenden Schulen Rechnung!“ so Jens Finger, der Vorsitzende des Philologenverbandes Schleswig-Holstein. „Noten bilden nach wie vor eine unentbehrliche, weil für alle Schülerinnen und Schüler verständliche Größe zur Leistungsmessung. Sie dienen als Bestätigung und / oder motivieren zur Leistungssteigerung“, ergänzte Finger.

Die Vorstellungen des Studienleiters für Mathematik, Martin Zacharias, treffen auf entschiedene Ablehnung beim Philologenverband. Zacharias hatte in einem umfangreichen Interview mit den Kieler Nachrichten den völligen Verzicht auf Noten (bis hin zum Abitur!) befürwortet. „Eine derartige Forderung kann aus verschiedenen Gründen nur Kopfschütteln hervorrufen“, erklärte Jens Finger, „zum Einen ist aus rein politischen und formalen Gründen ein solcher Komplett-Verzicht auf Notengebung nach Maßgaben der Kultusministerkonferenz nicht durchführbar. Außerdem würde dies die Vergleichbarkeit von Schüler- und Abiturientenleistungen völlig ausschließen und die Vergabe von Studienplätzen zu einer geradezu chaotischen Angelegenheit werden lassen.“ Angesichts der Realitätsferne eines solchen Vorschlages würde den Philologenverband und die schleswig-holsteinische Öffentlichkeit interessieren, ob die Position des – ja in die Dienststruktur des IQSH eingebundenen – Beamten Zacharias auch die Auffassung des Lehrerbildungsinstituts IQSH sei. „Hier gibt es sicher Erklärungsbedarf“, so Jens Finger.

Die Äußerungen des Studienleiters zur Realität des Mathematikunterrichts seien eine Beleidigung schleswig-holsteinischer Mathematiklehrkräfte. „Wer den Mathematikunterricht auf `Teaching to the test` oder `Bulimielernen` (Formulierung Zacharias) reduziert, kennt trotz seiner verantwortungsvollen Aufgabe in der Lehrerbildung die pädagogische Realität nicht! Vielleicht sollte er sich andere Wege suchen, um seinen Bücherverkauf anzukurbeln“, so die Meinung des Philologenverbandes.

Jens Finger (1. Vorsitzender)                        Walter Tetzloff (Pressesprecher)

0176 – 50 88 46 48                                         0431 – 80 41 59