Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die bundesweit beachtete `Jamaika-Koalition` in Schleswig-Holstein hat ihr erstes Jahr in der Regierung bewältigt. Eine erste Bilanz bietet sich an. Die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur erhält in den aktuellen `Berichtszeugnissen` der Presse eine respektable „3“ oder gar eine „3+“. Die Christdemokratin Karin Prien hat fleißig und zügig etliche Aufträge aus dem Koalitionsvertrag abgearbeitet. Ihr gelang die relativ geräuschlose (durch zusätzliche Stellenanteile flankierte) Einführung von G9, bei den Lehrerstellen konnte sie weitere Verbesserungen erreichen, sie setzte klar den Schwerpunkt auf Reformen im Bereich der Grundschulen (Noten, Grundwortschatz, Übergangsempfehlung, …). Sie selbst sagt, sie fühle sich angekommen und außerordentlich wohl in Schleswig-Holstein.

Inzwischen wurde im Ministerium auch die Stelle der Abteilungsleitung (III 3, Schulgestaltung und Schulaufsicht allgemein- und berufsbildende Schulen, Förderzentren, Qualitätssicherung, Fachaufsicht IQSH, Lehrerbildung) neu besetzt. Herr Alexander Kraft (parteiunabhängiger Jurist aus der Staatskanzlei) erweist sich bei ersten Begegnungen und in Gesprächen als freundlich und offen. Er arbeitet sich engagiert in seinen umfangreichen Arbeitsbereich ein. Insbesondere für die Schulaufsicht in seiner Abteilung findet er (nach der Prüfung von Arbeitsumfang, Arbeitsbelastung und personeller Situation) bereits überaus anerkennende und lobende Worte.

Etliche Herausforderungen werden die weitere Amtszeit von Ministerin Prien prägen. Es besteht weiterhin dringender Handlungsbedarf im Bereich Lehrerversorgung in den Mangelfächern und darüber hinaus zunehmend bei der Besetzung von Vertretungsstellen (auf Grund von Erkrankungen, Mutterschutz oder Elternzeit) inzwischen nicht nur in Mangelfächern und nicht nur an der Westküste. Vor Ort entwickelte Notlösungen, die der (notwendigen) Vermeidung von Unterrichtsausfall dienen, – Einsatz von „Senior-Experten“ (pensionierten Lehrkräften), „0.Semestern“ (Fachstudienabsolventen ohne jegliche Ausbildung im Referendariat) oder anderen Personen, die unterrichtliche Aufgaben übernehmen – dürfen nicht zum Dauerzustand werden. Ohne eine Erhöhung der Attraktivität des Gymnasialen Lehramts  (Reduzierung des Pflichtstundendeputats und Rücknahme der Besoldungseinbußen, Erweiterung der Poolstunden, Ausbau der Beförderungsstellen, Etablierung von Anreizsystemen, …) fällt Schleswig-Holstein im Ländervergleich in Zeiten zunehmenden Mangels an ausgebildeten Lehrkräften in nahezu allen Bundesländern weiter zurück.

Eine weitere Bewährungsprobe zeichnet sich im Bereich der Lehrerausbildung ab. Hier werden wichtige Weichenstellungen erwartet. Eine Studienleiterin am IQSH hatte (unterstützt vom Philologenverband) Normenkontrollklage gegen das Land eingereicht, weil sie der Ansicht war, dass nach einer neuen Landesverordnung aus dem Jahr 2016(!) die Studienleiterinnen und Studienleiter zwar mehr arbeiten, dafür aber keinen adäquaten Ausgleich bekommen. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig hat der Studienleiterin nach der Verhandlung am 21.06.2018 in Teilen (bei den pauschalen Zeitansätzen von Fahrstrecken) Recht gegeben. Die Richter wiesen das Bildungsministerium darauf hin, dass „der gesetzliche Rahmen der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit in Höhe von 41 Stunden zu beachten“ sei. Nun gilt es die schriftliche Begründung des Urteils abzuwarten und zu prüfen. Es bleibt zu hoffen, dass das Ministerium anschließend in einem angemessenen Verfahren, das die Betroffenen wertschätzend einbindet, tragbare Lösungen findet. Dabei wären die akuten Nöte der Studienleiterinnen und Studienleiter, die im ganzen Land zu Unterrichtsbesuchen und Prüfungen unterwegs sind, in den Blick zu nehmen. Darüber hinaus würde eine durchdachte Regionalisierung die Belastungen auch für die Referendarinnen und Referendare deutlich abmildern.

Jede Menge Baustellen, komplizierte Verhandlungen, gar Konflikte zeichnen sich ab. Wir freuen uns angesichts dieser Lage besonders, dass Frau Ministerin Prien an unserer Jahrestagung am 24. Oktober 2018, zu der wir alle Schulleiterinnen und Schulleiter der Gymnasien (unabhängig von ihrer Verbandszugehörigkeit) einladen, teilnehmen wird. Gemeinsam sollten wir uns für die weitere gedeihliche Entwicklung unserer lebendigen und erfolgreichen Schulen einsetzen.

Eine auch erholsame unterrichtsfreie Zeit und herzliche Grüße

Hans-Walter Thee