Liebe Kolleginnen und Kollegen,

alles neu macht(e) der (07.) Mai (2017).

Nach gut zweieinhalb Jahren Amtszeit der Sozialdemokratin Britta Ernst als Ministerin für Schule und Berufsbildung übernimmt nun erneut eine Hamburgerin, die Christdemokratin Karin Prien, das (erweiterte) Amt als Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Schleswig-Holstein.

Beim Kennenlernen wird schnell klar, dass sich die neue Ministerin einiges zutraut. Den Schulleiterinnen und Schulleitern der Gymnasien ebenso, denn die erneute Debatte über G8 und G9 an den Gymnasien wird manche zusätzliche Zeit und Energie auch für die Schulleitungsebene erfordern – eine wenig erfreuliche Perspektive. Es haben sich in den Koalitionsvertragsverhandlungen diejenigen durchgesetzt, die vor einer verbindlichen und wohldurchdachten generellen Lösung zurückscheuten. Mit großem Interesse wartet man nun besonders an den G8-Gymnasien des Landes alsbald auf detaillierte und rechtssichere Ausführungsbestimmungen für die Gestaltung der notwendig werdenden Beteiligungs- und Abstimmungsprozesse.

Dringender Handlungsbedarf besteht auch im Bereich Lehrerversorgung (siehe die diesem Schreiben beiliegende Presseerklärung der Bundesdirektorenkonferenz nach der Frühjahrstagung in Berlin und die darauf bezogenen Beiträge von Frau Schmoll). Die Kapazitätsverordnung Lehrkräfte (KapVO-LK) benennt für die Gymnasien des Landes Schleswig-Holstein folgende Mangelfächer: Chemie, Physik, Mathematik, Evangelische und Katholische Religion, Musik und Kunst. Darüber hinaus wirken sich Mangelsituationen in Schleswig-Holstein an den Gymnasien in der `Randlage`(zum Beispiel an der Westküste) in besonderem Maße auch in anderen Fächern aus.  Absolut ungenügend sieht es in diesem Bereich des Landes bei den  Möglichkeiten  der

Besetzung von Vertretungsstellen (auf Grund von Erkrankungen, Mutterschutz oder Elternzeit) aus. Selbst sogenannte „Senior-Experten“ (pensionierte Lehrkräfte) oder „0.Semester“ (Fachstudienabsolventen ohne jegliche Ausbildung im Referendariat) sind kaum für eine zeitlich befristete Anstellung zu gewinnen. Die am heutigen Tage veröffentlichte Studie von Prof. Klaus Klemm und Dr. Dirk Zorn zum Thema „Aktuelle Bevölkerungsentwicklung und Folgen für die allgemeinbildenden Schulen“ (Bertelsmann Stiftung, Gütersloh) verdeutlicht eindrucksvoll, dass in den nächsten Jahren bundesweit (durch steigende Schülerzahlen) ein sehr erheblicher Mangel an ausgebildeten Lehrkräften droht. Unsere Forderungen nach einer weiteren Verbesserung der Lehrerversorgung gekoppelt mit einer Erhöhung der Attraktivität des Gymnasialen Lehramts in Schleswig-Holstein (Zügige Wiedereinführung einer Gymnasialen Lehrerausbildung, Reduzierung des Pflichtstundendeputats und Rücknahme der Besoldungseinbußen, Ausbau der Beförderungsstellen, Etablierung von Anreizsystemen, …) bleiben in diesem Zusammenhang unverändert aktuell.

Wir fordern darüber hinaus, dass auch die Schulleiterinnen und Schulleiter (und die Oberstufenleitungen) bei der Entwicklung der Neufassung der Oberstufenverordnung frühzeitig beteiligt werden. Dieses Projekt wurde im Ministerium mehrfach `auf die lange Bank` geschoben. Nun gilt es gegenzusteuern, um eine terminliche Not abzuwenden.

Die Herbsttagung der Bundesdirektorenkonferenz in Thüringen widmet sich dem Tagungsthema: „Veränderungen der Oberstufe und im Abitur“.

Eine auch erholsame unterrichtsfreie Zeit und herzliche Grüße

Hans-Walter Thee

PS: Die diesjährige Jahrestagung unserer Arbeitsgemeinschaft wird (erneut mit prominentem Besuch aus dem Ministerium) am 05. Oktober 2017  im Conventgarten in Rendsburg stattfinden. Wir laden alle Schulleiterinnen und Schulleiter der Gymnasien (unabhängig von ihrer Verbandszugehörigkeit) ein. Wir wollen uns gemeinsam für die weitere gedeihliche Entwicklung unserer lebendigen und erfolgreichen Schulen einsetzen.