Bundesdirektorendkonferenz Frühjahrstagung in Berlin

Die zukünftige Versorgung der Bundesländer mit Lehrkräften insbesondere in derzeit schon definierten Mangelfächern

lautete das Tagungsthema der diesjährigen Frühjahrstagung der Bundesdirektorenkonferenz (BDK Gymnasien) in Berlin.

Von den 29 000 Lehrern, die im vergangenen Sommer in Deutschland eingestellt wurden, war fast jeder zehnte ohne pädagogische Ausbildung. Besonders dramatisch ist die Lage an den Grundschulen. In Brandenburg waren 36 Prozent der Grundschullehrer Quereinsteiger, in Berlin 40 Prozent und in Sachsen 52 Prozent. Die Bundesdirektorenkonferenz befürchtet deshalb erhebliche Lücken in den Schlüsselqualifikationen wie Lesen, Schreiben und Rechnen bei den kommenden Schülergenerationen. Außerdem werde der Lehrermangel schon in wenigen Jahren die Gymnasien der Bundesländer noch stärker treffen als ohnehin schon. Ein Beispiel illustriert Heike Schmoll (in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 22.03.2017, S. 1): „In Physik, Chemie, Biologie und Informatik waren von 226 neu eingestellten Gymnasiallehrern in Berlin 145 Quereinsteiger, in Mathematik von 152 Neueinstellungen 71 ohne pädagogische Ausbildung.“

Die Bundesdirektorenkonferenz fordert die Bundesländer auf, sich für eine bedarfsdeckende, schulartspezifische Lehrerausbildung einzusetzen.

Exkurs: Lehrerversorgung in Schleswig-Holstein

Die aktuell gültige Kapazitätsverordnung Lehrkräfte (KapVO-LK) benennt für die Gymnasien des Landes Schleswig-Holstein folgende Mangelfächer: Chemie, Physik, Mathematik, Evangelische und Katholische Religion, Musik und Kunst.

Darüber hinaus wirken sich Mangelsituationen in Schleswig-Holstein an den Gymnasien in der `Randlage` (zum Beispiel an der Westküste) in besonderem Maße auch in anderen Fächern aus. Absolut ungenügend sieht es in diesem Bereich des Landes bei den Möglichkeiten der Besetzung von Vertretungsstellen (auf Grund von Erkrankungen, Mutterschutz oder Elternzeit) aus. Selbst „Senior-Experten“ (pensionierte Lehrkräfte) oder „0. Semester“ (Fachstudienabsolventen ohne jegliche Ausbildung im Referendariat) sind kaum für eine zeitlich befristete Anstellung zu gewinnen.

Bildungspolitische Impressionen aus Berlin 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Bundesdirektorenkonferenz in Berlin wurden als Gäste der Festveranstaltung „25 Jahre Vereinigung der Oberstudiendirektoren des Landes Berlin“ Zeugen eines Affronts. Die bildungspolitischen Sprecherinnen der Berliner Regierungskoalition (SPD, Linke, Grüne) erteilten den Gymnasien auf ihre Bitte um Abschaffung des Mittleren Schulabschlusses (MSA) eine Absage – und zwar ausgerechnet im Grußwort von Frau Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zum 25-jährigen Bestehen des Berliner Gymnasialverbandes. Die Berliner Zeitung wird („Glückwunsch, aber…“, am 21.03.2017, S. 12) deutlich: „Die SPD-geführte Bildungsverwaltung steht seit Jahren im Ruf, die Berliner Gymnasien stiefmütterlich zu behandeln.“ Der Tagesspiegel führt ebenfalls am Folgetag (21.03.2017, S. 14) aus: „Viel Verwunderung produziert dieses Vorgehen inzwischen allerdings nicht mehr.“ „In vielen Gymnasien überwiegt jetzt das Gefühl, dass ihnen die Luft abgeschnürt wird“, fasst ein erfahrener Schulleiter die Stimmung an der Basis zusammen. Die Tatsache, dass weiterhin jährlich 10 000 Gymnasialschüler jeweils mehrere MSA-Prüfungen ablegen sollen, obwohl diese Prüfungen für sie zu leicht sind und obwohl dies ungeheure Mehrarbeit für die Gymnasiallehrer bedeutet, vervollständigt jetzt nur noch den „vorherrschenden Eindruck, dass die Belange der Gymnasien nicht mehr zählen“.

Hans-Walter Thee